Pressestimmen
“Das Benennen als erster Akt der Befreiung ist der Ausgangspunkt einer überraschend eindringlichen Erzählung, in deren Verlauf es zur treibenden Kraft gegen das Vergessen wird (…).”
⇨ Hier geht's zur Rezension in der WOZ - Die Wochenzeitung (Jonas Rippstein)
Lukas Bärfuss schlug David Pablo im Literaturclub des SRF vor
“Die Autorin hat sehr viel gewagt und noch mehr gewonnen.”
— Lukas Bärfuss
Deutschlandfunk berichtete über David Pablo
“Die Erzählfreude ist ansteckend. (…) Die Autorin entwirft auf wenigen Seiten ein intensives Porträt weiblicher Unterdrückungserfahrungen.”
— Lara Sielmann, Deutschlandfunk Kultur
Die Frankfurter Rundschau berichtete über David Pablo
“David Pablo ist ein so grossartiges, ausgereiftes literarisches Debüt, wie man es nur selten sieht.”
— Cornelia Wolter, Frankfurter Rundschau
Brasilien, Island, London, New York, Sarajevo, Dresden, Berlin – „David Pablo“, der Debütroman von Joanna Yulia Kluge, führt seine Leser an viele Orte, in verschiedene historische Kontexte und in ganz unterschiedliche Milieus. Sehr poetisch und unglaublich geschickt verwebt die Autorin darin Geschichten miteinander – doch das sieht man lange nicht kommen, alle Verbindungen treten erst ganz zum Schluss zutage. Bis dahin erzählt sie von drei unterschiedlichen Frauen, die Schreckliches erleiden mussten: Da ist Malena, ein Sinti-Mädchen in Nazi-Deutschland; Susa, die in der DDR zur Abtreibung gedrängt wird; und Una, die den Jugoslawienkrieg miterlebt hat.
„David Pablo“ ist ein so großartiges, ausgereiftes literarisches Debüt, wie man es nur selten sieht. Allein der fulminante Beginn des Romans mit einer Szene am brasilianischen Strand: „Am 7. Februar 1979 lief Wolfgang Gerhard über den Strand der Gemeinde Bertioga. Der Südatlantik lauerte friedlich. Weiße Gischt malte dunkle Schatten auf den Sand.“ Wolfgang Gerhard ist der Name, der auf Josef Mengeles Grabstein in Brasilien stand, und der 7. Februar 1979 ist sein Todestag. Auf diese Episode folgt ein abrupter Wechsel: „Im selben Jahr, in dem Wolfgang Gerhard vor Bertioga ertrank, herrschte vor der Küste Islands silberne Panik. Finnen – einige davon mannshoch – durchzogen die schwarze See, über der Seevögel Manöver flogen und gierig ihre Schnäbel spreizten.“ Es geht um den jungen Schwertwal Keiko, der hier noch frei mit seiner Mutter und seinem Clan schwamm, ehe er kurz darauf gefangen wird, um in Vergnügungsparks für Shows trainiert zu werden. Später wurde er dank eines Hollywoodfilms als „Willy“ bekannt.
Diese harten Schnitte zu Beginn des Romans wirken zunächst etwas verstörend, doch nach und nach baut die Erzählerin alles zu einem Kunstwerk zusammen und wie bei einem Puzzle greift ein Teil ins andere. David Pablo ist, anders als man vermuten könnte, kein Protagonist, sondern eine symbolische Figur, ein poetischer Bezugspunkt, der sich durch die miteinander verwobenen Geschichten zieht und dabei die Kapitel voneinander trennt. Der Titel spielt mit Zuschreibungen und spiegelt die zentralen Themen des Romans wie Erinnerung, Identität, Freiheit und Selbstbestimmung.
„David Pablo“ hat unglaublich viel Tiefe, dabei sind die Geschichten packend und poetisch erzählt und voller ungewöhnlicher Ideen: Susa etwa arbeitet nach dem Mauerfall in einem Café in Dresden. Dort wird sie von einem Schweizer Galeristen als Künstlerin entdeckt, weil sie die Innenseiten von Tassen mit Kaffeeresten bemalt. Und bei all den Schrecken, von denen in dem Roman zweifelsohne zu lesen ist, ist auch immer wieder eine gewisse Komik vorhanden und vor allem eine große Hoffnung, dass Widerstand und Lebenswille auch in einer grausamen Welt niemals vergebens sind. – Cornelia Wolter